Ein Dritter Ort

EIN ORT DER GEMEINSCHAFT. Wir lieben unsere Hugenottenhalle, wo schon Stars wie Depeche Mode, Donovan, Rudi Carrell, The Cure oder Die Ärzte das Publikum aus der gesamten Region begeisterten und wo die Neu-Isenburger Vereine uns immer wieder mit ihren Veranstaltungen unterhalten. Doch die 1977 eröffnete Halle ist in die Jahre gekommen. Sie ist technisch längst überholt, stark sanierungsbedürftig und verfügt über eine erschreckende Energiebilanz. Auch die Stadtbibliothek direkt nebenan ist nicht mehr zeitgemäß – sie benötigt dringend mehr Platz für ihre jugendlichen Besucher, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden: Hier werden längst nicht mehr nur Bücher ausgeliehen, hier trifft sich die Stadtgesellschaft zum gemeinsamen Lernen und Arbeiten, hier wird sich vernetzt und kommuniziert. Als 2019 klar wurde, dass beide Gebäude von Grund auf saniert werden müssen, entstand die Idee, einen gemeinsamen ‚Dritten Ort‘ zu schaffen – einen Ort der Gemeinschaft und des kulturellen Austauschs.

WAS IST EIN DRITTER ORT? Unser Zuhause ist der erster Ort, an dem wir uns häufig aufhalten, unser Arbeitsplatz der zweite. Ein Dritter Ort bietet einen Ausgleich zu Familie und Beruf, steht Bürgern aller Generationen offen und lädt als eine Art ‚Wohnzimmer der Stadt‘ zum Entspannen und Lernen, zum Kommunizieren und Experimentieren ein. Verschiedene Disziplinen aus dem Bereich Kultur und Bildung finden hier unter einem Dach zusammen, vernetzen sich und laden die Bürger herzlich zum Mitmachen ein. Dieses Konzept ist in den Niederlanden längst bekannt und wird in Zentren wie ‚Cultura‘ in Ede, dem ‚HUB‘ in Kerkrade oder der ‚LocHal‘ in Tilburg schon seit Jahren aktiv gelebt. In Deutschland wäre ein solches Projekt bisher einzigartig.

WIE SIEHT DAS IN DER REALITÄT AUS? Ein Dritter Ort ist frei zugänglich und man kann ihn wie eine Bibliothek ohne Anmeldung jederzeit besuchen. Durch eine offene Gestaltung der Räume mit interdisziplinären Angeboten bietet er eine angenehme und zugleich inspirierende Atmosphäre. In Kombination mit Kaffeeecken und Gastronomie lädt er auch ohne konkreten Anlass zum Besuch ein und bietet für jeden eine niederschwellige Möglichkeit, kulturelle Angebote wahrzunehmen.

WAS BEDEUTET FÜR NEU-ISENBURG? Unsere Hugenottenhalle und die Stadtbibliothek sollen zu einem gemeinsamen Gebäudekomplex umgebaut werden, in dem auch die Volkshochschule, die Musikschule und das Kulturbüro Platz finden. So wird eine kreative Zusammenarbeit möglich. Ein gemeinsames Motto kann zum Beispiel im ganzen Haus aufgegriffen werden. Ob Barock, Mondlandung, Pinguine oder William Shakespeare – jedes Thema bietet Raum für Theateraufführungen, Lesungen, Konzerte, Workshops, Ausstellungen, Vorträge und Büchertische. Denkbar sind auch interdisziplinäre Theaterworkshops für Schauspieler, Musiker und Bildende Künstler oder eine Kunstwerkstatt, in der mit analogen und digitalen Techniken experimentiert werden kann. Theorie, Produktion und Präsentation finden am selben Ort statt und schaffen so eine ganz neue Verbindung zwischen Kulturschaffen- den und ihren Besuchern. Durch die räumliche Nähe entstehen außerdem noch ganz andere Synergie-Effekte: Wer sich eine Veranstaltung anschaut, wird nebenbei vielleicht auf ein Angebot der VHS aufmerksam, Musikschüler begeistern sich für auf dem Weg zum Unterricht für die ausgestellte Malerei oder ein Besucher der Bibliothek stolpert in einen Workshop im Foyer – so laden die Räumlichkeiten immer wieder dazu ein, etwas Neues kennenzulernen und sich zu beteiligen. Belebt wird das Zentrum auch durch die große Zahl an VHS- Kursteilnehmern und die besonders von Jugendlichen stark frequentierte Bibliothek, die nun an einem Ort zusammengeführt werden. Auch für Veranstaltungen, Feiern und Versammlungen soll das Zentrum natürlich nach wie vor zur Verfügung stehen. Hier soll kein ‚Kulturtempel‘ für eine kleine Elite entstehen, sondern genau das Gegenteil: ein offenes Haus mitten in der Stadt, in dem Menschen aller Generationen sich begegnen, Spaß haben und voneinander lernen können.